Der Multi-Tasker

Quelle: www. DDH.de
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Datum: September 2008

Redakteur:  Malte von Lüttichau

Porträt: Inhaber von Dachdeckerbetrieben übernehmen viele Funktionen gleichzeitig - sie sind Chef, Handwerker und Firmenrepräsentant. Selfet Yagci verbindet seine Aufgaben besonders geschickt - und findet noch Zeit für große Pläne.

Es gibt Menschen, bei denen fragt man sich: Wie schaffen die das alles gleichzeitig? Selfet Yagci gehört zu dieser Sorte Mensch. Mehr noch: Falls ihm die Füße seiner Aktivitäten Stress bereitet, merkt man es ihm zumindest nicht an. Gut gelaunt und entspannt redet der Leichlinger über seine ersten Schritte im Dachdecker-Geschäft. Hier liegt vielleicht der Schlüssel zu seiner aufgeräumten Art: Er kennt es gar nicht anders. Denn Selfet Yagci hat sich alles selbst erarbeitet. Väterlicher Betrieb, finanzielles Fundament, gut gefüllte Stammkundendatei - was für viele jüngere Dachdecker die Grundlage ist, um mit frischen Ideen richtig durchzustarten, war für Yagci ein weit entfernter Wunschtraum, als er 1988 seine Dachdeckerlehre abgeschlossen hatte. Ehrgeizig war der im türkischen Antalya geborene Yagci schon damals, seine Ausbildung bei einem Leverkusener Betrieb schloss er als Jahrgangsbester ab. Nach Stationen in Leverkusen und Düsseldorf sowie der Meisterausbildung im Dachdecker- und Klempnerhandwerk kehrte Yagci 1996 in das heimische Leichlingen zurück, wo er seit seinem siebten Lebensjahr aufgewachsen war. Dort erfüllte er sich den Traum vom eigenen Betrieb.

Vertrauen durch Qualifikation
Qualifikation sieht der Selfmademan seither als Schlüssel zum betrieblichen Erfolg. Auf der Grundlage zweier Meisterbriefe hat er sich und seine Mitarbeiter konsequent weitergebildet - um ein breites Leistungspaket anbieten zu können, aber auch, um Vertrauen zu schaffen in einem Markt, in dem sich Kunden traditionell schwertun, die Qualität eines Betriebes zu beurteilen: "Wir sind sehr offen für neue technische Entwicklungen. Deshalb bilden sich meine Mitarbeiter und ich uns ständig weiter, zum Beispiel in den Bereichen Solarenergie und Dachbegrünung." Inzwischen ist das Unternehmen ein eingetragener Solarfachbetrieb und bietet darüber hinaus zahlreiche Arbeiten aus dem Leistungsspektrum des Dachdeckerberufs an: Dachsanierung, Flachdachabdichtung, Fassadenverkleidung, Bauspenglerei, Metalleindeckung, Metallfalztechnik, Schieferarbeiten, Holzarbeiten, Dämmtechnik gehören ebenfalls zum Angebot. Yagcis jüngstes Projekt: Er hat sich beim TÜV Rheinland zum "Sachverständigen für die Erkennung, Bewertung und Sanierung von Schäden in Gebäuden mit Schimmelpilzen" ausbilden lassen. "Eine sinnvolle Qualifikation, für mich aber vor allem eine inhaltliche Vorbereitung mit dem Ziel, in diesem Bereich noch mehr zu erreichen", beschreibt Yagci seine weiteren Ambitionen.

Gutes tun und darüber reden
Den zweiten Schlüssel zum Erfolg sieht Yagci in einem konsequenten Marketing seiner Leistungen. Dabei geht es ihm keineswegs darum, Kunden das Blaue vom Himmel zu versprechen. Nachhaltiges Marketing gibt Bauherren vielmehr die Chance, die gute Arbeit eines Betriebs auch wahrzunehmen. Gutes tun und darüber reden, lautet die Devise des Enddreißigers. Als ein namhafter Fensterhersteller - der Kontakt bestand bereits durch mehrere Schulungen - auf ihn zukam und anfragte, ob er in der Doku-Soap "Engel im Einsatz" Dachdeckerarbeiten durchführen könne, griff Yagci zu. Er installierte vor laufenden Kameras einen Tageslichtspot und konnte seine Arbeit einem breiten Publikum präsentieren.

Yagci versteht sich als aktiver Bürger seiner Gemeinde und weiß gleichzeitig: Es kann nicht schaden, (positiv) im Gespräch zu bleiben. Als die Stadt Leichlingen für ihre portugiesische Partnerstadt - das auf der Atlantikinsel Madeira gelegene Funchal - die Wappen der Städte als Geschenk überreichen wollte, klopfte man an seine Tür. Yagci und sein Team fertigten die Schieferornamente an und übergaben sie dem Bürgermeister. Ebenso selbstverständlich übernahm der begeisterte Saz-(eine sechs- bis siebensaitige türkische Gitarre) Spieler eine ehrenamtliche Tätigkeit in der örtlichen Musikschule, als ihm der Direktor von der Personalnot im Förderverein erzählt: "Handwerk und Musik - ist doch eine gute Verbindung", sagt Yagci, "außerdem gehen meine drei Kinder in die Musikschule."

Aufbauarbeit in der Türkei
Bietet sich bei diesen Gelegenheiten die Gelegenheit, Angenehmes mit Nützlichem zu verbinden, zeigt Yagci auf einem anderen Gebiet, dass auch ein Idealist in ihm steckt. Die Zusammenarbeit mit dem dortigen  Handwerk liegt dem Sohn türkischer Einwanderer besonders am Herzen. Dabei hat sich Yagci hohe Ziele gesetzt: Das Berufsbild des Dachdeckers in der Türkei will er verbessern und etablieren helfen - durch sein persönliches Engagement hat er bereits viel erreicht. Zum Hintergrund: Derzeit ist die Arbeit von türkischen Dachdeckern kaum mit der deutschen Situation vergleichbar. Ausbildungen junger Dachdecker erfolgen fast ausschließlich materialbezogen und über die Hersteller, eine umfassende, koordinierte Schulung im Sinne eines Lehrberufes findet nicht statt. Grund genug für Selfet Yagci, aktive Aufbauarbeit zu leisten, die von türkischer Seite auf erfreute Resonanz stößt und vom Dachdeckerverband Nordrhein tatkräftig unterstützt wird. Verbands-Geschäftsführer Thomas Schmitz hat Yagci zum offiziellen Türkei-Beauftragten des Verbandes ernannt. Unterstüztung für sein Engagement erhält Yagci inzwischen von höchster Stelle. Auf der diesjährigen deubau hatte er die Gelegenheit, gemeinsam mit einer türkischen Delegation ZDH-Präsident Otto Kentzler das Projekt vorzustellen. (Lesen Sie dazu auch den Bericht: "Deutsch-Türkisches Gipfeltreffen auf der deuabu" auf Seite 56). Vernetzt hat sich Yagci zudem mit dem Bildungszentrum Istanbul und den zuständigen Instituten in Nordrhein-Westfalen.

Sorgenkind Nachwuchs
Während er den Austausch zwischen den Ländern voller Optimismus begleitet, sieht der stellvertretende Lehrlingswart seiner Innung das Thema Ausbildung mit gemischten Gefühlen. "Ich habe früher sehr viel Arbeit in die Ausbilung der Azubis gesteckt, viel mit ihnen gelernt, damit sie ihre Prüfungen schaffen. Das war zum Teil sehr frustrierend, wenn sie dann nicht voll mitgezogen haben. Leider fehlt es vielen Schülern an Grundvoraussetzungen um Dachdecker zu werden. Sie unterschätzen die Vielfalt des Berufes, oft fehlt es auch an der Einstellung und Eigenverantwortung." Inzwischen ist Yagci dazu übergegangen, bei der Auswahl der Kandidaten höhere Maßstäbe anzusetzen: "Wir führen persönliche Gespräche durch, lassen von der Innung Bergisches Land Eignungstests durchführen, die für meine Entscheidung eine große Rolle spielen und achten stärker auf die vorhandene Schulbildung. Momentan bin ich mit den Ergebnissen zufrieden, meine zwei jetzigen Azubis sind auf dem besten Weg, Geselle zu werden." Seine engagierte Grundeinstellung hat er sich dennoch bewahrt: Yagci präsentiert seinen Betrieb regelmäßig in den örtlichen Schulen, wirbt für den Beruf des Dachdeckers und bekommt so ausreichend qualifizierte Bewerbungen.

Fazit: Handgemachter Erfolg
Auf dem Weg vom Lehrling zum erfolgreichen Betriebsinhalber hat Selfet Yagci verinnerlicht, worauf es ankommt im Wettbewerb: Gute Arbeit, ständige Weiterentwicklung und aktive Außendarstellung, Ehrenamtliches Engagement und effizientes Marketing müssen dabei keinen Widerspruch darstellen. Wer nach innen hält, was nach außen versprochen wird, ist glaubwürdig  - und erfolgreich.

 

 

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